Willkommen zur ersten Phase deines finanziellen Check-ups. In der Reihe „Finanzielle Erweckung“ hast du dein „Warum“ gefunden und gelernt, warum es sich lohnt, sich um deine Finanzen zu kümmern. Jetzt geht es ans Eingemachte. Dies ist der Moment, in dem wir von der Theorie zur Praxis übergehen. Von vagen Gefühlen zu klaren Zahlen.

Stell dir vor, du willst eine Reise antreten. Dein „Warum“ ist dein Ziel – sagen wir, ein atemberaubender Berggipfel. Bevor du aber losmarschierst, schaust du auf deine Karte und suchst den kleinen Punkt mit der Aufschrift: „Sie sind hier.“ Genau das tun wir heute. Dieser erste Schritt ist dein „Sie sind hier“-Punkt auf der Landkarte deines finanziellen Lebens. Es geht nicht darum, dich zu verurteilen. Es geht einzig und allein um Klarheit.

Warum dieser Schritt so wichtig ist (und warum wir ihn fürchten)

Viele von uns schieben eine genaue Bestandsaufnahme vor sich her. Wir fürchten, was wir finden könnten: vielleicht eine negative Zahl, die uns als „Versager“ dastehen lässt. Diese Angst ist verständlich, aber unbegründet. Denn solange du deine aktuelle Position nicht kennst, kannst du keinen Plan für die Zukunft machen. Die Zahl auf dem Blatt Papier ist neutral. Sie ist wertfrei. Sie ist der Ausgangspunkt für alles, was kommt. Egal, ob er positiv, negativ oder null ist – zu wissen, wo du stehst, gibt dir die Macht zurück, etwas zu verändern.

Die Bestandsaufnahme in drei simplen Schritten

Du brauchst dafür nur 30 Minuten, einen Stift, ein Blatt Papier (oder eine Excel-Tabelle) und Zugang zu deinen Kontoauszügen.

Schritt 1: Liste alle deine Aktiva auf (Was du besitzt)
Das sind alle Dinge, die einen klaren finanziellen Wert haben und im Prinzip in Cash umwandelbar sind. Sei ehrlich zu dir selbst.

  • Bargeld: Physisches Bargeld zu Hause.
  • Girokonto: Der aktuelle Kontostand.
  • Sparkonten/Tagesgeldkonten: Alle Guthaben auf Spar- oder Tagesgeldkonten.
  • Aktien, ETFs, Fonds: Der aktuelle Gesamtwert deines Depots (sieh online nach).
  • Bausparvertrag: Das aktuelle Guthaben.
  • Lebensversicherung: Der aktuelle Rückkaufswert (falls vorhanden).
  • Sonstiges: Wertgegenstände wie Gold, Schmuck oder ein Auto, das du notfalls verkaufen würdest (schätze einen realistischen Verkaufswert).

Schritt 2: Liste alle deine Passiva auf (Was du schuldest)
Das sind alle offenen Verbindlichkeiten, also Geld, das du an andere zurückzahlen musst.

  • Kreditkartenschulden: Der aktuelle Gesamtsaldo aller Kreditkarten.
  • Dispositionskredit: Genutzter Dispo auf dem Girokonto.
  • Konsumentenkredite: Ratenkredite für Möbel, Elektronik etc.
  • Studienkredite: Restschuld deines Studiendarlehens.
  • Autokredit: Restschuld des Darlehens für dein Auto.
  • Rückzahlung an Freunde/Familie: Geld, das du privat leihst.

Schritt 3: Berechne dein Reinvermögen (Die magische Zahl)
Jetzt kommt der einfache, aber bedeutsame Moment der Wahrheit. Nimm die Summe all deiner Aktiva und ziehe die Summe all deiner Passiva ab.

Formel: SUMME(Aktiva) – SUMME(Passiva) = Dein Reinvermögen

Was diese Zahl dir sagt (und was nicht)

  • Ein positives Reinvermögen: Super! Das bedeutet, dass du mehr besitzt, als du schuldest. Dein finanzielles Haus steht auf einem soliden Fundament. Jetzt geht es darum, es weiter auszubauen.
  • Ein negatives Reinvermögen: Kein Grund zur Panik! Das ist bei vielen Menschen, besonders am Anfang ihrer Karriere, der Fall. Es bedeutet einfach, dass deine Schulden derzeit deine Besitztümer überwiegen. Das ist dein Ausgangspunkt. Jetzt hast du ein klares Ziel: Diesen Wert Schritt für Schritt in den positiven Bereich zu bringen.
  • Die Zahl ist null: Auch das ist ein valides Ergebnis. Du stehst bei Null. Eine perfekte Basis, um loszulegen!

Wichtig: Diese Zahl ist eine Momentaufnahme. Sie ändert sich ständig. Aber sie gibt dir eine objektive Metrik, an der du deinen Fortschritt messen kannst.

Deine Mission: Nimm dir heute Abend 30 Minuten Zeit!

Verschiebe es nicht. Die Erleichterung, die du nach dieser Aufgabe empfinden wirst, ist enorm. Die Ungewissheit ist der größte Feind. Die Klarheit ist dein bester Freund.

So gehst du vor:

  1. Such dir einen ruhigen Ort.
  2. Nimm das bereitgelegte kostenlose Worksheet „Meine Bestandsaufnahme“ von unserer Website (dort sind alle Kategorien bereits vorbereitet).
  3. Trag alle Werte ein. Sei gnadenlos ehrlich.
  4. Berechne dein Reinvermögen.
  5. Atme durch. Du hast soeben den wichtigsten Schritt zur Kontrolle über deine Finanzen getan.

Im nächsten Schritt werden wir uns den Geldstrom ansehen – also wohin dein Geld jeden Monat fließt. Aber dafür brauchen wir erst diesen festen Punkt, an dem wir stehen.