Im ersten Schritt hast du eine Momentaufnahme deiner Finanzen erstellt – dein „Sie sind hier“. Jetzt wird es dynamisch. Wir wechseln vom Foto zum Film. Denn Geld ist wie Wasser: Es fließt. Die entscheidende Frage ist: Wohin fließt es? Viele von uns haben nur ein vages Gefühl dafür. Heute machen wir diesen Strom sichtbar, messbar und verstehbar.

Warum ist das so wichtig? Weil du nur dann die Kontrolle über dein Geld übernehmen kannst, wenn du seine Wege kennst. Du kannst nur dann Korrekturen vornehmen, wenn du siehst, wo es vielleicht in unbemerkten Rinnsalen versickert. Diese Analyse ist nicht about Verurteilung, sondern about Bewusstsein und Wahlmöglichkeit.

Die Tracking-Methode: Einfach und effektiv

Du brauchst keine komplizierte Software. Such dir einfach eine Methode aus, die zu dir passt:

  1. Die App-Methode: Nutze Budget-Apps wie „Finanzguru“, „Outbank“ oder die Banking-Apps deiner Bank, die Ausgaben automatisch kategorisieren.
  2. Die Excel-/Zettel-Methode: Oldschool, aber effektiv. Erstelle eine Tabelle mit den Spalten: Datum, Betrag, Kategorie, Verwendungszweck. Trage dort 30 Tage lang jede einzelne Ausgabe ein. Ja, auch den 2,50-Euro-Kaffee.

Die Kunst der Kategorisierung

Der Schlüssel liegt in der Einteilung. Zu grob ist nicht aussagekräftig, zu detailliert ist ermüdend. Diese Kategorien sind ein guter Start:

  • Wohnen: Miete, Nebenkosten (Strom, Gas, Wasser), Internet, GEZ
  • Ernährung: Supermarkt-Einkäufe, Essen gehen
  • Mobilität: Benzin, ÖPNV-Ticket, Autoversicherung, Fahrrad-Reparatur
  • Freizeit & Lifestyle: Streaming-Dienste, Hobbys, Kleidung, Urlaub, Restaurantbesuche
  • Kommunikation: Handyvertrag
  • Versicherungen: Krankenversicherung, Haftpflicht, etc. (falls nicht schon bei Wohnen/Mobilität)
  • Sparen & Investieren: Alles, was bewusst zurückgelegt wird (Das ist kein Ausgabe-Posten, sondern eine Umlenkung des Geldstroms!)

Deine Aufgabe: 30 Tage Geldstrom-Tracking

Nimm dir vor, einen kompletten Monat lang jede Ausgabe zu tracken. Es wird Tage geben, an denen du es vergisst. Das ist okay. Gib nicht auf. Nutze die Kontoauszüge, um Lücken zu füllen. Am Ende des Monats wirst du ein klares Bild haben.

Die Auswertung: Die großen Drei identifizieren

Nach 30 Tagen schaust du dir die Gesamtsumme jeder Kategorie an. Meistens kommen etwa 80% der variablen Ausgaben aus nur 3-4 Kategorien. Diese sind deine Hebelstellen. Vielleicht sind es:

  • Auswärts essen & Lieferdienste
  • Impulskäufe bei Amazon
  • Abos, die du kaum nutzt

Die entscheidende Frage: Hat dieser Geldstrom deine Werte und Ziele aus Schritt 1 unterstützt? Oder ist er einfach so dahingeflossen? Diese Erkenntnis ist der erste Schritt zur Veränderung.

Im nächsten Schritt werden wir uns anschauen, wie du zwischen echten Bedürfnissen und kurzfristigen Wünschen unterscheiden kannst.